Virtuos dargebotene Musik, humorvolles Figurentheater, frisch zubereitete Speisen und ein stilvolles Ambiente: Was der Lions Club Pforzheim Johannes Reuchlin am Sonntag geboten hat, ist der pure Genuss gewesen. Mit Marina Müllerperth und Raphael Mürle hat er zwei hochkarätige und überaus begabte Künstler in den Jazzclub „Domicile“ geholt, wo sie bei einem kurzweiligen, gut zweieinhalbstündigen Programm für den guten Zweck aufgetreten sind: Der Erlös geht an die PZ-Initiative „Menschen in Not“ und an „Blickpunkt Auge“.

Als Lions stelle man immer wieder Veranstaltungen wie diese auf die Beine, um Geld für soziale Zwecke zu sammeln, erklärt Clubmaster Axel Bäuerle, der sich über die zahlreichen Besucher freut.

Als Erster betritt Raphael Mürle die Bühne. Aber nicht allein: Niemand Geringeren als Johannes Reuchlin hat er dabei, den Humanisten, der 1455 in Pforzheim geboren wurde und vor genau 500 Jahren in Stuttgart gestorben ist. Intensiv hat Mürle sich mit Reuchlin befasst und lange überlegt, wie er die historische Persönlichkeit am besten darstellen kann. „Es geht darum, ihn als Typ kennenzulernen“, erklärt Mürle im PZ-Gespräch und verrät, dass das Projekt auf Initiative und mit Unterstützung des Lions Club Pforzheim Johannes Reuchlin entstanden ist. Mürle wird mit seinem Programm auch an Schulen gehen.

Im „Domicile“ dreht sich alles um das Gutachten, mit dem Reuchlin letztlich erfolgreich die Vernichtung jüdischer Schriften verhinderte. En passant vermittelt Raphael Mürle historisches Wissen. Meisterhaft gelingt es ihm, das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

Stürme des Beifalls und der Begeisterung löst auch der Auftritt von Marina Müllerperth aus. Auf dem Klavier des „Domicile“, einem wohlklingenden Konzertflügel, nimmt sie das Publikum mit auf eine Reise durch die Epochen der klassischen Musik. Es geht vorbei an Bach, an Chopin und an Ravel. Müllerperth brilliert mit perfektem Tastenanschlag und einer äußerst feinfühligen Spielweise, die selbst kleinste Nuancen abbildet. Wie selbstverständlich fließen die Melodien vor sich hin, wie ein zarter Klangteppich, der sich sanft über den gesamten Saal des „Domicile“ legt. Müllerperth hat schon einmal dort gespielt: als Kind, zusammen mit anderen Jungstudenten der Karlsruher Professorin Sontraud Speidel. Inzwischen hat Müllerperth ihren Masterabschluss in der Tasche. Sowohl als Solopianistin als auch in Orchestern ist sie international gefragt. Unter dem Namen „Belisama Classics“ hat sie ihr eigenes Festival gegründet, das dieses Jahr im Juli stattfinden soll und Frauen in der Musik in den Mittelpunkt rückt.

Etwa Lili Boulanger, eine französische Komponistin, von der Müllerperth mit „D’un jardin clair“, „Cortège“ und „D’un vieux jardin“ drei kurze Stücke präsentiert, die impressionistisch und malerisch wirken, wie ein sonniger Frühlingstag. In Rachmaninoffs Preludes Nr. 5 und Nr. 12 erinnern glitzernde Achtel- und Sechzehntel-Bewegungen an sanft perlendes Wasser, in Chopins Ballade Nr. 3 wechseln sich heitere, fröhlich klingende Passagen mit dunkel und bedrohlich anmutenden ab, um die tragische Liebesgeschichte einer Wassernixe zu erzählen.

Flink hüpfen Müllerperths Finger über die Tasten, ganz besonders bei Ravels „Alborada del gracioso“, dem lebendig-dynamischen Morgenlied des Clowns. Stehende Ovationen für diese brillanten Interpretationen – so lange, bis die Zugabe folgt.

In den Pausen zieht es die Besucher hinaus auf die sonnige Terrasse, wo auf den Musikgenuss ein kulinarischer folgt – Fingerfood von „La Signora“, mit viel Liebe und aus besten Zutaten vorbereitet.

Autor: Nico Roller, Pforzheimer Zeitung

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